Skip to main content

Hintergrund

Oh nein, nicht schon wieder Probleme wälzen“ So oder ähnlich fallen oftmals Reaktionen auf die Bekanntmachung einen PhilosophierZirkel gründen zu wollen aus. Dabei geht es meist gar nicht wirklich um die Scheu sich mit Problemen auseinanderzusetzen, sondern fehlt meist eine Vorstellung von dem, was denn nun hinter einem philosophischen Gespräch stecken könnte.

 

Um den Einstieg zu erleichtern, sollte man zunächst alles vergessen, was einem in Talkshows zugemutet wird. Ein philosophisches Gespräch ist ein von Wertschätzung getragener Gedankenaustausch auf Augenhöhe und kein Schlagabtausch. Ich bin der Meinung, dass jeder philosophieren kann und dass man am besten schon im Kindergarten damit beginnt. In diesem Sinne haben philosophische Gespräche für Erwachsene zum Ziel, ein Hinterfragen von vermeintlich Selbstverständlichem zum Entstauben und Aktualisieren des eigenen Weltbildes zu ermöglichen.  

 

So gibt es bei unseren philosophischen Gesprächen kein richtig und kein falsch, es gibt lediglich persönliche Sichtweisen (Perspektiven). Je unterschiedlicher solche Perspektiven ausfallen, desto fruchtbarer können philosophische Gespräche werden. Schließlich geht es nicht darum sich durchzusetzen, sondern die eigene Perspektive im Lichte der anderen zu betrachten um eventuell Ergänzungen oder Änderungen vornehmen zu können. Gemeinsamkeiten können als Basis zum Weiterdenken genutzt werden. Frei nach dem Schriftsteller V. Hamgardt  werden hier Gespräche zu "Brücken, die Menschen Verbinden."

Prinzipiell gibt es bei den Gesprächen weder alberne noch dumme Äußerungen. Die Gesprächsatmosphäre ist getragen von Toleranz und Wertschätzung, dass jeder seinen / ihrem Möglichkeiten nach am Gespräch teilhaben kann. In einem guten Gespräch sollte es Niemanden Probleme bereiten, Nichtverstandenes zu hinterfragen. Oftmals fördert ein beherztes Nachfragen den Gedankenaustausch ungemein und führt dazu, dass eine Gruppe schneller ihre gemeinsame Sprache findet. Mit der Zeit helfen philosophische Gespräche Probleme als Gelegenheiten zu betrachten.

 

Für mich persönlich war die Teilnahme an philosophischen Zirkeln in Wunsiedel und Hof (Oberfranken) eine so interessante wie motivierende Erfahrung, dass ich diese Methode gern auch mit Erwachsenen in meiner Heimatstadt Schwerte etablieren würde. Das notwendige Rüstzeug zur Leitung einer philosophischen Gesprächsrunde habe ich im Zeitraum 2014-16 an der AKADEMIE FÜR PHILOSOPHISCHE BILDUNG UND WERTEDIALOG erlangt. Die Unterstützung der OBERFRANKENSTIFTUNG ermöglichte mir die Teilnahme an einer Weiterbildung zum Philosophischen Gesprächsleiter für  Erzieher(innen), Lehrer(innen) und Umweltbildner(innen).

Was bedeutet Klimakrise?

 

Im August hinterfragte der PhilosophierZirkel der Nachbarschaft Holzen Formen der alltäglichen Flucht und ihre Bedeutung für das menschlichen MITEINANDER.

Die Teilnehmer befanden, dass alltägliche Fluchten in ganz verschiedenen Formen vorkommen und unterschiedlich zu bewerten sind. Generell wurde konstatiert, dass die Flucht zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehört. Ob in Form einer Auszeit, Flucht vor der Realität, Flucht vor Überwachung, und andere Formen, Fluchten ermöglichen uns eine t.w. vermeintliche Vereinfachung unseres Lebens. Viele Menschen haben in einer immer komplexer werdenden Welt eine Sehnsucht nach Überschaubarkeit, Ordnung und Sicherheit. Einfache Antworten kommen diesem Bedürfnis nach Sicherheit auf den ersten Blick nach, auch wenn der zweite häufig gänzlich andere Einblicke gewährt.

Der Zirkel befand, dass es an uns ist, unsere Komfortzone zu reduzieren, ohne dieses Grundbedürfnis gänzlich zu opfern. Alltägliche Fluchten können uns auch Energie und Motivation spenden. Der entscheidende Aspekt sollte immer sein, die richtige Balance zwischen Moral und dem Einfachen zu finden, da sonst Egozentrismus und Fanatismus drohen.

 

Aktuell zeigt uns die Klimakrise immer deutlicher die mit ihr verbundenen Konsequenzen für unser aller Leben. Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist klar, dass sich weltweit keiner auf der sicheren Seite wähnen kann. Liegen in dieser menschheitsbedrohenden Krise aber auch Chancen? Und wenn ja, welche könnten das sein? Zunächst wollen wir sehen, welche persönlichen Perspektiven zur Klimakrise existieren um später darüber nachzudenken, wie die Teilnehmer zu Ideen eines neuen MITEINANDERS von wissenschaftlicher Seite stehen. E. Fromm forderte bereits 1976 eine „neue Ethik, eine neue Einstellung zur Natur, und dass menschliche Solidarität und Kooperation notwendig sei…“ In einem ähnlichen Kontext fordern aktuell E.U. von Weizsäcker & A. Wijkman 2018 eine Aufklärung 2.0, die sich am Rationalismus und an Traditionen verschiedener Kulturen orientiert, einer Aufklärung im Sinne einer Philosophie des Gleichgewichts. Sie begründen ihre Forderungen mit der Feststellung, dass die Regeln, die in der leeren Welt Geltung hatten, heutzutage für die volle Welt mit 7,7 Mrd. Menschen nicht mehr gelten können.        

 

Am 26.09.2019 hinterfragen wir persönliche Perspektiven zur Klimakrise und überlegen, ob diese dazu genutzt werden können der Krise zu begegnen und die Menschheit voranzubringen.

 

Der PhilosophierZirkel der Nachbarschaft Holzen wird in Kooperation mit der AWO Schwerte realisiert. Ich danke der hiesigen Quartiersmanagerin, Frau Barbosa für ihre Unterstützung.

AN DIESER STELLE HEIßE ICH FRAU Barbosa AUCH IM NAMEN des philOZirkels HERZLICH WILLKOMMEN IN HOLZEN.

 

Der nächste Zirkel findet im Speisesaal des Friedrich-Krahn-Seniorenzentrums (Westhellweg 220) am Donnerstag, den 26. August 2019 um 19:00 Uhr statt.

 

Wir tauschen uns zu der philosophischen Frage  "Was bedeutet Klimakrise?" aus.

 

Weitere Zirkel finden zu folgenden Themen statt: 

  • Was bedeutet WAHRHEIT?
  • KOOPERATION oder KONKURRENZ – was treibt uns voran?
  • UMWELT oder MITWELT – ist die Natur nur eine Bühne für uns Menschen?
  • Was bedeutet Digitalsierung?...

 

 

Ich freue mich auf Ihr Interesse und Ihre Perspektiven.

Auf zum Brückenbau...

Guido Kossmann