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Unsere Welt verändert sich in einem rasanten Tempo...

Probleme wie Klimakrise, CoronapandemieArtensterben, Müllbelastung und Ressourcenverknappung gehen im Jahr 2019 einher mit einer globalen Vertreibung von 79.5 Millionen Menschen (UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge). Diese Menschen mussten ihre Heimat aufgrund politischer, sozialer oder / und ökologischer  Krisen verlassen. In Deutschland führt der "soziale" Wettbewerb mehr und mehr zu einem "Auseinanderfallen der Gesellschaft " (R. Brinkhaus, 2018  (Vorsitzender d. CDU/CSU-Bundestagsfraktion)).   

Die Einsicht, dass derartige Probleme und Krisen in einem indirekten oder direkten Zusammenhang mit der Art und Weise, wie wir mit uns und unseren Planeten haushalten stehen, ist uns immer noch fremd. Dabei verfügen wir über traditionelle Erfahrungen und Wissen, welche Lösungsansätze für viele soziale und ökologische Probleme aufzeigen (E.U. von Weizsäcker & A. Wijkman, 2016). Hierzu bedürfte es aber auch Bewußtsein und Motivation des Individuums etwas zum Besseren zu wenden.  

Belastbare Informationen (Fakten ) über Aufbau und Funktion der natürlichen, menschlichen wie kultürlichen Welt (Mitwelt) stellen die Grundpfeiler eines solchen Bewußtseins dar. Sie ermöglichen zielführende Gespräche. Wobei Probleme als natürliche / normale Herausforderungen  des Lebens betrachtet werden sollten. Die Motivation resultiert in der Regel aus diesem Bewußtsein, sofern das Individuum ein gesundes Gefühl für Selbstwirksamkeit entwickeln kann.  

Informationen und Gespräch in der Spätmoderne

In der Spätmoderne (individualisiertes, nachindustrielles Zeitalter) bieten soziale Medien (Konnektive) für viele Menschen Orte der Information und des Diskurses. Da man Mitgliedern der eigenen Gruppen gern Glauben schenkt, sich zudem gern selber damit rühmt, selber als erste(r) andere über eine vermeintliche Neuigkeit "informiert" zu haben, leidet die Qualität weitergegebener Informationen durch die Methode "quick and dirty". Leider schaffen es immer wieder unseriöse Meldungen soziale Medien zu verlassen und die öffentliche Diskussion zu befeuern. Häufig tritt die Realität allenfalls verzerrt zu Tage und / oder es kommt zu unzulässigen Verallgemeinerungen (z.B. Demos der Fridays for Future lassen grundsätzlich vermüllte Innenstädte zurück). Dies führt zu einer erheblichen Macht der Konnektive und zu einer zunehmenden Gereiztheit unserer Gesellschaft, der lediglich mit redaktioneller Bildung aller begegnet werden könnte (B. Pörksen, 2018).    

Auf der anderen Seite sind die Kommunikationsmöglichkeiten online stark reduziert (Keine Mimik / Gestik). So kommt es schnell zu  einer egozentrischen Kommunikation, die Mißverständnisse, Enthemmung und Konflikte schüren kann. Gerade bei kontroversen Diskursen herrscht online häufig mehr Distanz zwischen den Nutzern, als dass sie sich austauschen. Häufig erscheint der Umstand etwas gepostet zu haben wichtiger, als der Diskurs im Sinne eines solchen Austauschs. Ein gutes Gespräch lebt jedoch von der Wahrnehmung von Gestik und Mimik der anderen und dem Austausch und der geistigen Verarbeitung von Informationen. Die Körpersprache erlaubt auf den Gespächspartner zu reagieren und ein Finetuning der eigenen Aussagen vorzunehmen um Missverständnisse auszuräumen und unklare Aussagen zu präzisieren.   

E. Wehling weist 2016 auf die immense Bedeutung der Sprache für unsere Wahrnehmung und unser Denken hin. Sie konstatiert, dass insbesonders sprachliche Bilder (Frames) unser Denken in eine bestimmte Richtung lenken. Unbewußt können derartige Frames sehr wirkmächtig werden. So besteht ein grundlegender Unterschied darin, ob sind nun das Klima wandelt, es in einer Krise steckt oder diese bereits katastrophale Ausmaße angenommen hat. Während der Begriff Wandel einen natürlichen und allmählichen Prozess suggeriert, alarmiert der Begriff Krise den Empfänger und spricht die menschliche Verantwortung für den Fakt an, dass global Durchschnittstemperaturen in einem ernstzunehmenden Maße steigen. Der Begriff der Katastrophe impliziert hingegen eher Unabwendbarkeit und verführt zur Resignation. Da selbst Negierungen eines Frames diesen bestärken, sollte man unbeabsichtigte Nuancierungen eigener Post und Chats gut überdenken.        

 

Der Mangel an Erfahrung mit der Netzkommunikation, das mangelnde Bewußtsein für die Wirkmächtigkeit der Sprache oder deren mißbräuliche Nutzung sowie die "Gleichzeitigkeit des Verschiedenen im Netz" (B. Pörksen, 2018) sind einer geistigen Problemaufarbeitung hinderlich und führen häufig zu einem KommunikationsabbruchB.  Pörksen bemerkt  diesbezüglich: "Eine Gesellschaft kann sich eine solche Haltung nicht auf Dauer erlauben, weil sie dann auf unheilvolle Weise fragmentiert. Sie braucht Räume der kommunikativen Integration, Kontaktzonen und Anlaufstellen der Kompromissfindung." 

So fordert auch Bundespräsident F.-W. Steinmeier in seiner Weihnachtsansprache 2018: "Wir müssen wieder lernen, zu streiten, ohne Schaum vorm Mund, und lernen, unsere Unterschiede auszuhalten." Das Aushalten von Unterschieden wird durch eine reale, von Wertschätzung getragenen Vis a Vis-Kommunikation deutlich erleichtert.   

 

Soziales Leben in der Spätmoderne

Wie E. Fromm (1979) und A. Reckwitz (2017) ausführlich beschreiben, nahm und nimmt das Sozialleben vieler Menschen immer mehr Züge eines Wettbewerbs an. Bei diesem Wettbewerb geht es immer mehr darum sich den MitMenschen als Singularität zu präsentieren und vermarkten um aktuell möglichst viel Anerkennung (likes) zu erlangen.

In meinen Augen wird das menschliche MITEINANDER durch einen zu- nehmenden Widerspruch zwischen kulturell erzeugten Affekten (Sichtbarkeitsdrang) und natürlichen Bedürfnissen (Sicherheit & Ruheausgleichende Bewegung, Entspannung, etc.) bedrängt. Eine gesunde menschliche Seinsgrundlage findet sich wohl eher in einer Ausgewogenheit in der Berücksichtigung kultureller Affekte und natürlicher Bedürfnisse

Das Fehlen dieser Ausgewogenheit führt immer häufiger dazu, dass sich der Menschen weiter isolieren und sich nicht ihrer gesellschaftstragenden Funktion bewußt werden und immer schneller unreflektiert und gereizt reagieren.   

Wahrnehmung und Standortbestimmung

Um die Situation zu beruhigen, bieten sich zunächst einmal altbewährte Methoden der Wahrnehmung und der Informationsverarbeitung an. So sind unsere Sinne dafür geschaffen unsere reale Welt wahrzunehmen. Eine von Gelassenheit getragene Beobachtungsstimmung ermöglicht uns einen direkten emotionalen Zugang  zu den Dingen selbst zu finden - zu staunen.

Wie Louis Pasteur schon im 19. Jahrhundert feststellte, ist dann "Staunen der erste Schritt zur Erkenntnis".

Im Vis a Vis-Gespräch können sich  die Beobachter gemeinsam einen Zugang zur Mitwelt schaffen. Ein Austausch darüber kann auch im Rahmen philosophischer Gespräche die von B. Pörksen geforderten Räume kommunikativer Integration schaffen. Das Gespräch kann dann als Mittel der Standortbestimmung werden. 

Der Austausch kann dann als gemeinsame Basis für weiteres Entdecken und / oder zum problemorientierten Gespräch genutzt werden... 

 

Zur persönlichen Standortbestimmung ist es ungemein hilfreich unsere Umwelt, wie schon von Alexander von Humboldt im 19. Jahrhundert beschrieben, als einen Organismus, als eine vernetzte Welt zu verstehen. Die Interaktionen einzelner Facetten der Mitwelt bestimmen direkt oder indirekt die Geschicke aller.

Für uns Menschen kann das Wissen über derartige Interaktionen auch weit über die Funktion unserer materiellen Lebensgrundlage hinausgehen. Für uns bietet sich in der bewussten Wahrnehmung und Interaktion mit unserer Mitwelt die Chance eine Basis für gute Gespräche zu finden und Rückhalt und Motivation zu erfahren. Im Rahmen solcher Gespräche kann durch Hinterfragen aus ahnenden Staunen weiteres Wissen kondensieren.

Mit diesem Wissen kann der eigene Standort im Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur immer exakter bestimmt werden. Neben nüchtern-rationalenPerspektiven sind hier auch emotionale Perspektiven von großer Bedeutung. Hierbei müssen mitunter sich widersprechende Bedürfnisse und Affekte individuell als Kompromiss ausgehandelt werden. Die eigene gesellschaftliche Funktion wird erkennbar und die Führung eines motivierten und von Selbstwirksamkeit gekennzeichneten Leben möglich.  

Wir sind Mitgestalter

Zahlreiche getrennt wahrgenommene Dinge hängen real zusammen. "Die verbindenden unsichtbaren Fäden hinter den Dingen sind  für das Geschehen der Welt  oft wichtiger als die Dinge selbst. " (F. Vester, 1999). F. Vester zeigte, dass vernetztes Denken für eine nachhaltigen Lösung  sozialer und ökologischer Probleme eine geradezu unabdingbare Voraussetzung darstellt. Um diese Mitgestaltung überblicken zu können, ist die individuelle Einordnung im Spannungsfeld von Natur und Kultur eine wichtige Voraussetzung, die eigene gesellschaftliche Funktion erkennen und entwicklen zu können. 

Wir sollten uns vor Augen führen, dass wir ein Teil der Welt sind, die wir permanent mitgestalten, ob bewußt oder unbewußt, "Alles, was wir tun, oder was wir nicht tun, trägt zur Mitgestaltung  unserer Welt bei " (P. Kuenkel, 2016). Diese Mitgestaltung kann in Bezug auf natürliche und auf die menschliche Mitwelt verstanden werden. B. Pörksen und F. Schulz von Thun (2020) zeigen in ihrem Werk Möglichkeiten, wie Kommunikation auch bei kontroversen Perspektiven (Meinungen) zu einem Tool der aktiven Mitgestaltung werden kann.   

MITEINANDER Wahrnehmen / Perspektiven & Informationen austauschen

Vernetztes Denken kann schon von Kindesbeinen an spielerisch erlebt, durchdacht und hinterfragt werden. Geht doch "ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus..." (frei nach A. von Humboldt). Nicht, dass es hierfür neuen Wissens bedürfte. Wir sollten uns bereits vorhandenen Wissens bewußt werden und Wege für dessen nachhaltige Umsetzung suchen.

Unsere Mitwelt hält für uns manch interessanten Aspekt bereit, der Menschen jeder Alterstufe einlädt, genauer wahrzunehmen und intensiver zu hinterfragen. Nach K. Gebauer  & G. Hüther (2014) werden "...Kinder als Entdecker geboren. Sie wollen lernen ihre Welt zu erkunden…” Es ist an uns, Kindern und Jugendlichen mit aktuellen Methoden das Umfeld zu bieten und Themen zu erschließen, die schon Generationen von Heranwachsenden zuvor für ihre Entdeckungstouren zu nutzen wussten. In dem sie sich  ausprobieren, lernen sich Heranwachsende  in ihrer Rolle als vernetztes Wesen kennen, erfahren  Selbstwirksamkeit  und beginnen sich sozial "einzunischen"

Bei geOCognition wird das gemeinsame Erleben von Gestein, Boden, Pflanzen Mitmensch und Hund Iggy im Gespräch zu einer ersten Erfahrung der Vernetzung...   

 

 

Fachgespräche ermöglichen den Austausch über wahrgenommene Natur- phänomene und deren Einordnung. Zu dieser Einordnung gehört das Verknüpfen betrachteter Dinge (z.B. Gesteine, Bodentiere, Pflanzen) mit ein- fachem ökologischen Hintergrundwissen. Zum einen wird die ökologische Bedeutung angesprochen, zum anderen wird die Bedeutung für uns Menschen über den Ökonomischen Nutzen hinaus aufgezeigt.   

 

Philosophische Gespräche ermöglichen ein entspanntes Beobachten der Perspektiven anderer Teilnehmer auf Basis von Respekt und Toleranz. Im Perspektivwechsel steckt die Möglichkeit andere Perspektiven auf ihre Verwendbakeit abzuklopfen.  Sie erlaugen es meist den eigenen Horizont zu erweitern, zudem schulen sie den Respekt vor Andersartigem. Wege zur Kompromissfindungen in Streitgesprächen können so geebnet werden. Kinder lernen Verschiedenheit besonders schnell auch als Bereicherung zu begreifen und mögliche Chancen zu nutzen. Für unsere Gesellschaft ist die Akzeptanz von Verschiedenheit eine Grundbedingung für das Gelingen demokratischer Prozesse

 

Im Rahmen des Sicherheitstrainings HUND&KIND können Teilnehmer im Rahmen eines Quiz zur Kommunikation der Hunde und Artgerechter Umgang mit Hunden in geleiteter Form von den Perspektiven der Anderen lernen und das erworbene Wissen im Anschluß mit Hund  Iggy umsetzen. Iggys Reaktionen bestärken das Gefühl der Selbstwirksamkeit und festigen das erworbene Wissen zusätzlich.  

Durch den fachlichen, wie menschlichen Austausch können Teilnehmer mit der Zeit ein Gefühl für ihren persönlichen Standort im Spannungsfeld finden und beginnen ihre persönliche gesellschaftliche Funktion zu entwickeln. Nehmen wir uns als einen vernetzten Bestandteil unserer Mitwelt wahr, so wird schnell klar, dass wir mit unserer Mitwelt wechselwirken. Schon A. von Humboldt musste 1803 bei seinen Amerikaexpeditionen feststellen: "Alles ist Wechselwirkung."  

 

Vor diesem Hintergrund wird auch die Sinnhaftigkeit von H. Lesch  Anregung offensichtlich:

"Versuchen Sie bei jeder ihrer Handlungen für einen winzigen Moment daran zu denken: "Ist das jetzt sinnvoll, oder ist es das nicht?" Wenn wir uns alle zusammentun, dann können diese kleinen Vernunfthandlungen dazu führen, dass Großartiges passsiert".  (nach H. Lesch, Vortrag a.d. TU Ilmenau, 2018/12)  

 

Ich hoffe, dass Sie diese Website anregt, gemeinsam mit anderen etwas von realem Wert wiederzuentdecken.

Über Ihr Feedback auf der Startseite freue ich mich...

 

Dr. rer. nat. Guido Kossmann   

 

Ausgewählte Quellen  

www.avhumboldt.de

Fromm, E. (1976): Haben oder Sein - Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. dtv Verlagsbuchgesellschaft, München.

Gebauer, K. & G. Hüther (2014): Kinder brauchen Wurzeln: Neue Perspektiven für eine gelingende Entwicklung. Patmos Verlag, Ostfildern.   

Künkel, P. ( 2016): The Art of Leading Collectively - Co-Creating a Sustainable, Socially Just Future. Chelsea Green Publishing, White River Junction, Vermont.

Meyer-Abich, K. M. (1990): Aufstand für die Natur - Von der Umwelt zur Mitwelt. Carl Hanser, Stuttgart. 

Pörksen, B. (2018): Die große Gereiztheit: Wege aus der kollektiven Erregung. Hanser Verlag, München.

Pörksen, B. & F. Schulz von Thun (2020): Die Kunst des Miteinander-Redens - Über Dialog in Gesellschaft und Politik. Hanser Verlag, München.

Reckwitz, A. (2018): Die Gesellschaft der Singularitäten. Suhrkamp, Berlin. 

Vester, F. (1999): Die Kunst vernetzt zu denken - Ideen und Werkzeuge für einen neuen Umgang mit Komplexität. dtv Verlagsgesellschaft, München.

von Weizsäcker, E. U. & A. Wijkman (2019): Wir sind dran - Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen - eine Aufklärung für eine volle Welt. Random House, München.  

Wehling, E. (2016): Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet - und daraus Politik macht. Ullstein Verlag, Berlin.