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Hintergrund zum philOZirkel

Oh nein, nicht schon wieder Probleme wälzen“ So oder ähnlich fallen oftmals Reaktionen auf die Bekanntmachung einen PhilosophierZirkel gründen zu wollen aus. Dabei geht es meist gar nicht wirklich um die Scheu sich mit Problemen auseinanderzusetzen, sondern fehlt meist eine Vorstellung von dem, was denn nun hinter einem philosophischen Gespräch (philOGespräch) stecken könnte.

 

Um den Einstieg zu erleichtern, sollte man zunächst alles vergessen, was einem in Talkshows zugemutet wird. Ein philOGespräch ist ein von Wertschätzung getragener Gedankenaustausch auf Augenhöhe und kein Schlagabtausch. Ich bin der Meinung, dass jeder philosophieren kann und dass man am besten schon im Kindergarten damit beginnt. In diesem Sinne haben philOGespräche für Erwachsene zum Ziel, ein Hinterfragen von vermeintlich Selbstverständlichem zum Entstauben und Aktualisieren des eigenen Weltbildes zu ermöglichen.  

 

So gibt es bei unseren philOGesprächen kein richtig und kein falsch, es gibt lediglich persönliche Sichtweisen (Perspektiven). Wir sind uns der Begrenztheit der eigenen Perspektive bewusst (Sokrates, 399 v. Chr. "Ich weiß, das ich nicht weiß"). Da wir davon ausgehen, dass andere Teilnehmer einen Sachverhalt unter einer anderen, wiederum ebenfalls begrenzten Perspektive wahrnehmen, können wir diese als Möglichkeit begreifen und veilleicht die eigene Perspektiveergänzen oder korrigieren. Je unterschiedlicher solche Perspektiven ausfallen, desto fruchtbarer können derartige Gespräche werden. Sofern der Austausch fest auf dem Boden des Grundgesetzes steht und die menschliche Würde respektiert wird, wird in einem philOGespräch vieles möglich. Schließlich geht es nicht darum sich durchzusetzen, sondern die eigene Perspektive im Lichte der anderen zu betrachten um eventuell Ergänzungen oder Änderungen vornehmen zu können. Gemeinsamkeiten können als Basis zum Weiterdenken genutzt werden. Frei nach dem Schriftsteller V. Hamgardt  werden hier Gespräche zu "Brücken, die Menschen Verbinden."

Prinzipiell gibt es bei den Gesprächen weder alberne noch dumme Äußerungen. Die Gesprächsatmosphäre ist getragen von Toleranz und Wertschätzung, dass jeder seinen / ihrem Möglichkeiten nach am Gespräch teilhaben kann. In einem guten Gespräch sollte es Niemanden Probleme bereiten, Nichtverstandenes zu hinterfragen. Oftmals fördert ein beherztes Nachfragen den Gedankenaustausch ungemein und führt dazu, dass eine Gruppe schneller ihre gemeinsame Sprache findet. Mit der Zeit helfen philOGespräche Probleme als Möglichkeiten zu betrachten. Sie integrieren Vorteile der FeedForward-Methode. Insofern gilt auch im philOZirkel "Lern so viel Du kannst" UND "hilf so viel Du kannst" (Mashall Goldsmith, 2007).    

 

Für mich persönlich war die Teilnahme an philosophischen Zirkeln in Wunsiedel und Hof (Oberfranken) und kürzlich auch online (durch die Akademie) eine so interessante wie motivierende Erfahrung, dass ich diese Methode gern auch mit Erwachsenen in meiner Heimatstadt Schwerte etablieren würde. Durch Unterstützung der OBERFRANKENSTIFTUNG habe ich an einer Weiterbildung zum Philosophischen Gesprächsleiter für  Erzieher(innen), Lehrer(innen) und Umweltbildner(innen) teilgenommen. An der AKADEMIE FÜR PHILOSOPHISCHE BILDUNG UND WERTEDIALOG erlangte ich das notwendige Rüstzeug zur Leitung einer philosophischen Gesprächsrunde. Gerade in der aktuellen Lage messe ich einem gelingenden MITEINANDER eine essentielle Bedeutung bei.

Wir können Krisen nicht wegquatschen, aber Grundlagen für deren Bewältigung schaffen.   

Achtung, Achtung - Vernunftbegabte Lebewesen -

 

Beim philOZirkel im April 2021 setzten wir uns online philosophisch mit der Vernunftbegabung von uns Menschen auseinander. Bezugnehmend auf Frank Urbanioks Werk Darwin schlägt Kant - Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und ihre fatalen Folgen, wurden Perspektiven vernunftorientierten Denkens und Handelns im aktuellen Kontext ausgetauscht.

 

Folgend finden Sie die, von mir ergänzte und weitergedachte Zusammenfassung unseres Gesprächs. Die Teilnehmer*innen fassten unter einem vernunftorientierten Verhalten, ein hinterfragendes, möglichst emotionsarmes, selbstkritisches  Vorgehen. Vernunft wurde als eine energieverbrauchende aber überlebenswichtige Gabe des Menschen gekennzeichnet.

 

Zur Mündigkeit gehört das Hinterfragen der Dinge   

in Bezug auf die Lösung gesellschaftlicher Probleme stellten die Teilnehmer*innen die immense Bedeutung von Vertrauen heraus. Sie konstatierten, dass viele Menschen durch einen allzu leichten Zugang zu Informationen, die Vertrauenswürdigkeit ihre Quellen vielfach nicht mehr hinterfragen würden. Gerade extreme Positionen würden online wie offline von einer steigenden Anzahl von Mitmenschen kritiklos übernommen um diese dann schnellstmöglich mit-“teilen“ zu können. Der Zirkel konstatierte, dass Titel und Charisma anderer Menschen nur zu gern als Surrogat für deren Vertrauenswürdigkeit angenommen würden. Sie dienten häufig mehr einer übereilten Rechtfertigung der Quelle. Da durch das Fehlen derartiger Kritik der Verbreitung von Halbwissen und Fakes sowie anderen Verzerrungen der Realität Tür und Tor geöffneten seien, wäre das mündige gesellschaftliche Gespräch in Gefahr.

Mündige Entscheidungen beruhten jedoch auf eine Verlässlichkeit zugrunde gelegter Fakten und einer vernunftorientierten Kommunikation. Der Zirkel war sich einig, dass nur mündige Bürger in der Lage sind eine demokratische Gesellschaft zu tragen. Diese Mündigkeit müsste alle Aspekte des gesellschaftlichen Gesprächs umfassen. Zu große Vertrauensseligkeit sei nicht vernünftig. Die Frage, die sich dem Zirkel nun stellte war, ob denn unsere Vernunft Vertrauen genießen könne.   

Nach Meinung der Teilnehmer*innen sind in unserer Gesellschaft eine Vielzahl von Formen unvernünftigen Verhaltens zu beobachten. So führe nicht hinterfragtes Halbwissen zu Polarsierungen, Eskalationen und zu einer erhöhten Gefahr von Manipulation. Gesellschaftliche Entscheidungen gingen häufig mit einer 50/50-Verteiliung, da ein konsenssuchendes, vernünftiges Gespräch vielfach nicht mehr stattfände.  Gerade Populisten und Extremisten würden sich diese mangelnde Vernunftorientierung zunutze machen.

Das Ausmaß interessengeleiteter Erkenntnis auf der einen und strategischer Kommunikation auf der anderen Seite nähme nach Meinung der Zirkelmitglieder in einem erschreckenden Maße zu. Somit müsse Quellen und Kommunikationskritik im Vordergrund stehen. Der Zirkel war sich einig, dass ein Bauchgefühl der Komplexität unserer modernen Gesellschaften nicht Rechnung tragen kann. Vielmehr müssten Bürger bereit sein, Wissen kritisch zu reflektieren und dieses auch permanent zu erneuern, das eigene Gedankenkonstrukt fortwährend umzubauen. Auch Teilnehmer*innen sahen das Problem, dass sich Akteure auf der Jagd nach Aufmerksamkeit auch bei sensiblen Themen (Klimakrise, Cov19-Pandemie, Soziale Krise) häufig nicht mehr die Mühe machten, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.

Ich stimme mit dieser Sicht der Dinge überein und sehe in unserer Gesellschaft ein Naivitätsproblem mit erheblicher Reichweite. So kann man vielleicht im Wettbewerb um Aufmerksamkeit mithalten, ob es dem gesellschaftlichen Gespräch und der Lösung drängender, aktueller Probleme dienlich ist, muss bezweifelt werden.

 

Tücken bei Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen

Da Wahrnehmung und Kommunikation unsere Möglichkeiten mündig / vernunftorientiert zu agieren beeinflussen, hinterfragten wir zunächst die Verlässlichkeit unserer Wahrnehmung. Es wurde konstatiert, dass sowohl unsere Sinnesorgane als auch unsere innere Verarbeitung von Informationen individuell variieren können.

In diesem Kontext wurde eine These von Vera Birkenbihl angeführt, welche besagt, dass bewusst Wahrgenommenes lediglich einen Bruchteil unserer gesamten Wahrnehmung ausmache und unser Gehirn im hohen Maße ausschließlich mit der Verarbeitung von uns unbewusste Informationen beschäftigt sei. Somit wäre es nur logisch, dass es schon bei der Wahrnehmung zu erheblichen Diskrepanzen zwischen Menschen kommen müsse. Wehling, E. (2016) gibt an, dass maximal 2% unserer Wahrnehmung bewusst erfolgt.  

Zudem wurde angemerkt, dass wir nicht in der Lage seien die Dinge an sich wahrzunehmen, sondern lediglich deren Erscheinungen. Unsere Sinnesorgane würden uns lediglich einen bestimmten Ausschnitt der Wahrheit zugänglich machen. Manchem Tier sei ein bedeutend größerer Ausschnitt zugänglich (Fledermäuse, Reptilien, Insekten). Mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden sei es möglich den Ausschnitt unserer Wahrnehmung erheblich zu erweitern. Man müsse sich jedoch bewusst sein, dass auch dies lediglich eine weitere Näherung an die Dinge an sich bedeute. In meinen Augen wirkt sich unsere limitierte Sensorik, der hohe Grad an unbewusster Wahrnehmung sowie unsere Tendenz zum Schubladendenken (Frames, siehe Wehling, E.) nachteilig für einen vernunftorientierten Umgang mit Informationen aus. Die Vorstellung von individuell variierenden Wahrnehmungen wurde von Teilnehmer*innen des Zirkels durchaus unterschiedlich gesehen.

Vielmehr wurden verstärkt kulturell bedingte Unterschiede in der Verarbeitung von Informationen thematisiert. Als Beispiele wurden die Vielzahl von Begrifflichkeiten für Schnee bei den Inuit und das Problem der Wahrnehmung der Farbe Blau im antiken Europa (Homer: weinrote See (auch maiLab) angeführt. Ob auf gesellschaftlicher oder individueller Ebene, der kulturellen Ausrichtung der Informationsverarbeitung wurde im Zirkel eine hohe Bedeutung zugemessen.

Einige psychologische Verzerrungen (siehe F. Urbaniok) wurden von Teilnehmer*innen mit Beispielen beleget. So berichtete ein Teilnehmer, dass er aktuell beim Thema BREXIT sehr schnell dem Rückschaueffekt anheimfalle. Negative Entwicklungen in Großbritannien würden von ihm schnell als unausweichlich und schon im Vorfeld prognostiziert verbucht. Die leichte und häufig unkritisch-übereilte Beschaffung von Informationen im Internet wurde als ein Beispiel für den WYSIATI-Effekt (What you see is all there is) angeführt. Gerade die Informationsbeschaffung über soziale Netzwerke und Filterbubbles maximierten die Reichweite von WYSIATI-Effekten. Online reduziere sich die Vielfalt der Argumente schnell durch algorithmische Fokussierung auf „Bewährtes“ und verschaffe dem Nutzer nur allzu leicht das gute Gefühl des „Sich-informiert-habens“. Eine vernunftorientierte Quellenkritik und Kritik der Information an sich kann einem jedoch keine KI abnehmen

Effekte psychologischer Verzerrung entsprechen nach F. Urbaniok häufig dem Reaktionsschema - schnell und eindeutig, wenn auch fehlerbehaftet -. So werden schwerer zugängliche Informationen außer Acht gelassen. Eine vernunftorientierte Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen wird so behindert. Evolutionär gesehen ergeben dieses Reaktionsschema in der Wildnis Sinn. Der Zirkel war sich einig, dass uns jedoch komplexe Vernetzungen innerhalb spätmoderner Gesellschaften sowie ihrer Vernetzungen mit Geo-, Hydro- und Biosphäre ein Höchstmaß an vernunftorientiertem Verhalten abverlangten. Die Vielzahl verzerrender psychologischer Effekte und unsere Emotionen erschweren dies jedoch, da ein solches Verhalten zunächst ein Innehalten und Hinterfragen erfordere. Nach Verständnis des Zirkels müssten wir uns zunächst der eigenen Fehleranfälligkeit bewusstwerden und mehr Augenmerk auf Vermeidung / Reduzierung von Verzerrungen sowie in eine exaktere Kommunikation legen. Als bestehende Instrumente dienten Faktencheck, Hinterfragen von Sachverhalten und ein Abwägen von Argumenten unter Berücksichtigung möglichst vieler, relevanter Parameter. Somit läge es auf der Hand, dass vernunftorientiertes Denken und Handeln mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden sei.

Aus meiner Perspektive sollten wir gerade auch Augenmerk auf die Art von Problemen und Krisen legen. So unterscheidet sich ein vernunftorientiertes Herangehen an eine ökologische Problematik grundlegend von einem vernunftorientierten Herangehen an soziale Fragen. Hierbei sollte immer Beachtung finden, dass der Mensch lediglich innerhalb der Anthroposphäre Kompromisse schließen kann. „Mit der Natur verhandelt man nicht“ (Schellnhuber, H. J. ,2012).      

 

Gibt es die eine Vernunft?         

Im Zirkel wurde ein weiteres Problem in Hinblick auf vernunftorientierter Informationenverarbeitung angesprochen. Bedingt durch Lebensumstände, soziale Käfige und Interessen könnten auch vernünftige Erwägungen durchaus subjektiv ausfallen. Somit sei zu unterscheiden zwischen persönlicher Vernunft und einem vernunftorientierten Austausch mit anderen. Einem solchen Austausch müsse das Bewusstsein einer Art Metavernunft innewohnen um ein gelingendes Gespräch zu ermöglichen. So müsste bei Gesprächen im sozialen Kontext schon im Vorfeld eine gemeinsame Zieldefinition festgelegt werden. Der Gesprächsrahmen mit einer Setzung der Prioritäten ist gerade bei Gesprächen im sozialen Kontext von großer Bedeutung.  

Als Beispiel wurde die Frage von zwei extrem einseitigen Perspektiven auf die Cov19-Pandemie genannt. Zum einen eine humanistische zum anderen eine ökologische Perspektive. Während es bei der ersten die Prämisse sei, möglichst viele Menschenleben zu retten, hat die ökologische Perspektive eher eine Reduzierung der Bevölkerungsdichte im Fokus. Ein vernunftorientierter, den Menschenrechten verpflichteter Konsens müsste sich zu einer sehr einseitigen Priorisierung durchringen. Vernunftorientierte Abwägungen würden somit der ökologischen Seite ein Höchstmaß an Entgegenkommen abverlangen. Ähnliche, Dilemmasituationen kleineren Ausmaßes sind alltäglich. Sie stellen unsere Geduld häufig auf die Probe und belegten, dass vernunftorientiertes Verhalten mit sehr viel Aufwand verbunden sein kann. Angesichts der Komplexität unserer Gesellschaft erscheint der Aufwand aber zur Lösung aktueller Probleme und Krisen aber auch mehr als gerechtfertigt.

Von Fall zu Fall, von Ebene zu Ebene müsste hierzu der Rahmen vernünftiger Kommunikation neu abgesteckt und Ziele neu definiert werden. So divergieren Ziele für die persönliche Ebene (z.B. Familie, Freundeskreis) mitunter erheblich von Zielen für die Nachbarschaft, Verein oder Stadtteil und erst recht von denen, die für die Stadt, den Landkreis, das Bundesland, den Nationalstaat oder die EU festgelegt werden müssten. Neben den Zielen änderten sich natürlich auch die Methoden der Kommunikation vom Gespräch, über den Chat / E-Mail, soziale Gruppen, etc. Hierbei stellten die gemeinsame Gesprächskultur (einvernehmliches Faktenverständnis, gegenseitige Wertschätzung,) die absolute Basis für gelingende Gespräche auf Augenhöhe dar.

Simplifizierende Bilder oder Schablonen und Feindbilder helfen zwar im geistigen Sinne Energie zu sparen, sie werden jedoch der komplexen Realität unserer Gesellschaft nicht gerecht. Zudem seien sie Abnutzungen unterworfen und sollten regelmäßig auf ihre Gültigkeit hinterfragt werden. Im Zirkel wurde ein treffendes Beispiel für eine simplifizierenden Argumentation besprochen. Die Argumentation, dass 10 Millionen Kinder Cov19-bedingt nicht in die Schule gehen, obwohl gerade mal 4 Kinder an dem Virus gestorben sind, zeuge von einer fahrlässigen Simplifizierung der Problematik. Leider sei dieses Beispiel nicht erdacht, sondern stamme aus einer realen Diskussion. Eine derartige Argumentationsweise ignoriere zahlreiche Aspekte, die unbedingt mit in Betracht gezogen werden müssten.

Ich gehe hier lediglich auf die Aspekte ein, die die Kinder direkt betreffen: Gerade Kindern und Jugendlichen fällt es sehr schwer körperliche Distanz zu wahren, zum Teil ist es ihnen im ÖPNV und auf engen Schulfluren gar nicht möglich dies zu tun. Somit ist ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Schulbesuch zu befürchten. Zum anderen treten auch bei vielen Kindern und Jugendlichen sogenannte Long-Covid Symptome auf, von denen man nicht ausschließen kann, dass sie die Kinder für ihr Leben zeichnen (auch Uniklinikum Jena). Die Argumente pro Homeschooling müssten dezidiert gegen die contra-Argumente (Vereinsamung, Häusliche Gewalt, Zusätzliche Benachteiligung ärmerer Kinder, etc.)   abgewogen werden. Um einer komplexen Gesellschaft Rechnung zu tragen, müssten ihre Bürger auch komplexe (vernetzte) Aspekte berücksichtigen und / oder auf das aktuell verfügbare Wissen vertrauen.

Aus meiner Sicht stellen diesbezüglich Fakten und Methoden, die von der Mehrzahl der Wissenschaftler unterstützt werden, die besten, uns aktuell zur Verfügung stehenden Informationen und Instrumente zum Umgang mit sozialer Krise, Cov19-Pandemie und Umweltkrisen dar.

 

Ja – vernunftorientiertes Denken und Handeln ist anstrengend und leider auch fehleranfällig. Die Komplexität unserer Gesellschaft erfordert jedoch von uns ein Mehr an selbstkritischem Hinterfragen. Diesbezüglich könnten folgende Fragen wahrscheinlich zu einer Eröffnung eines grundlegenden Sinns führen.    

  • Was bedeutet mir ein gelingendes gesellschaftliches Miteinander? (z.B. Nahrung, Gesundheit, Sicherheit, etc.)
  • Was benötigt unsere Gesellschaft um gelingen zu können?
  • Was kann ich zu diesem Gelingen beitragen?

Ohne einer eindeutigen Identifikation des Individuums mit der Gesellschaft treiben Gespräche ins Absurde. Ist dies Voraussetzung einmal gegeben, stellen sich Fragen der Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen. Kein Mensch überblickt das aktuelle Wissen, das uns zur Verfügung steht. Es ist auch gar nicht notwendig. Dafür gibt es ja das Mittel der wissenschaftlichen Schwarmintelligenz. Die Wissenschaften eröffnen uns Möglichkeiten besserer Wahrnehmung und Kommunikation. Somit denke ich, dass Aspekte, die durch die Mehrzahl von Wissenschaftlern bestätigt werden, als Fakten zur Grundlage von vernunftorientierten Gesprächen genutzt werden sollten. Nur mit einem solchen Konsens werden nachhaltige Weiterentwicklungen unserer Gesellschaft möglich. Bessere Perspektiven, als die wissenschaftlich bestätigten, werden uns nicht zugänglich werden. Das bedeutet nicht einfach einem Titelträger unkritisch etwas nachzuplappern, sondern der dem wissenschaftlichen Prozess des Hinterfragens zu vertrauen. Wir sollten die Chance begreifen im Vertrauen auf derart getestete Perspektiven unserer Verpflichtung gegenüber unserer Gesellschaft und gegenüber jüngeren Generationen gerecht zu werden.       

Bis dato herrschte gesellschaftlich ein überwiegender Konsens den vernunftorientierten Wissenschaften Vertrauen zu schenken. Wer hinter dem wissenschaftlichen Prozess Verschwörungen wittert, sollte sich die Frage stellen, wie wir uns technisch und gesellschaftlich bis zum heutigen Tage haben entwickeln können. Nicht, dass dieser Konsens für eine ausschließlich fehlerfreie Entwicklung stünde. Aus meiner Sicht bietet sich uns jedoch keine bessere Perspektive auf die Wahrheit, als den Blick durch die Brille der Vernunft.

Wir sollten wissenschaftlichen Fakten vertrauen, uns den Fallstricken unsere Psyche bewusst werden, diese möglichst reduzieren um uns so im mündigen gesellschaftlichen Gespräch vernunftorientierten Lösungswege zu suchen.  

In Hinblick auf die Führung gesellschaftlicher Gespräche, wurde die Methode des systemischen Konsensierens (Rangfolgensuche nach der Lösung mit dem geringsten Widerstand / der höchsten Zustimmung innerhalb einer Gruppe) genannt. Viellicht nutzen wir zukünftig derartige Instrumente gezielt um gesellschaftliche Gespräche effizienter führen zu können.

 

 

Quellen

Paper

Urbaniok, F. (2020):                                     Darwin schlägt Kant – Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und ihre fatalen Folgen. Orell Füssli, Zürich.            

Wehling, E. (2016):                                      Politisches Framing – Wie eine Nation sich Ihr Denken einredet – und daraus Politik macht. Edition Medienpraxis, Köln. 

 

Online

Uniklinikum-jena (2021):                          Auch Kinder leiden an Long-COVID.  

 

Youtube

Sternstunde Philosophie (2021):           Psychiater Frank Urbaniok über die Schwächen der Vernunft.

Auf ein Wort... (2019):                                 Vernunft | DW Deutsch

Sternstunde Philosophie (2009):           Angst und Hoffnung. Ein Gespräch mit der Pharmazeutin Amrei Wittwer und dem Psychologen Jürgen Margraf.

 maiLab (2018):                                              So habt ihr Farben noch nie gesehen.

Visotschnig, E. (2018):                                Systemisches Konsensieren – Ein Beitrag zur Wiederbelebung der Demokratie.

 

 

Achtung, Achtung! - Vernunftbegabte Lebewesen -

 

Der fränggisch-westfälische onlineZirkel hat sich zu da einer töften Truppe entwickelt, mit der auch Gespräche über komplexere Themen wergli Freid machn. Beim nächsten Zirkel wollen wir die menschliche Vernunftbegabung und die damit verbundenen Fallstricke hinterfragen. Dann werden wir wieder unsere Erfahrungen, Perspektiven, Bilder und Theorien austauschen und nutzen um diese weiterdenken zu können.

Das Aprilthema lautet:  Achtung, Achtung! - Vernunftbegabte Lebewesen -. Zum einen ergründen wir das eigene Selbstverständnis, zum anderen denken wir über Chancen vernünftigen Denkens in der Krise nach. Termin hierfür ist der 29/04/2021 um 19:00 Uhr. 

 

Bis dahin wünsche ich weiterhin munteres Hinterfragen, guidO     

 

Weitere Zirkel finden zu folgenden Themen statt: 

 

  • Homo sapiens - Welche Rolle spielen Emotionen und Vernunft im Alltag? 
  • KRISE = Gefahr & Chance?
  • Welche Dimensionen müssen nachhaltige Entwicklungen umfassen ? 
  • Was bedeutet Digitalisierung?
  •  

 

 

Der PhilosophierZirkel der Nachbarschaft Holzen wird in Kooperation mit der AWO Schwerte realisiert. Ich danke der hiesigen Quartiersmanagerin, Frau Rademacher und dem Team des Friedrich-Krahn-Seniorenzentrums für die gute Kooperation.