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"Schliesslich sind wir doch moderne, aufgeklärte und vernünftige Menschen..." 

 

Und doch mussten E.U. von Weizsäcker und A. Wijkman 2016 in ihrem Werk Wir sind dran - Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen -  eine neue Aufklärung fordern. Seither sind acht Jahre ins Land gegangen und angesprochenen Probleme stellen sich der Menschheit in immer drastischer werdenden Krisen und Katastrophen. Während sich in der öffentlichen Debatte mehr und mehr Hoffnungslosigkeit Raum nimmt, gibt es aus interdisziplinärer Sicht durchaus Gedanken, die zu Hoffnung Anlass bieten. Eine kritische Sicht auf "die" Aufklärungen eröffnet manche Perspektive zur Klärung aktueller Misstände, die dann auch als Chancen für nachhaltige Entwicklungen genutzt werden können. 

In dieser Rubrik fasse ich wichtige Beiträge zum Status-Quo unserer Gesellschaft aus Perspektive der Naturwissenschaften, Psychologie, Soziologie, Medienwissenschaften und Philosophie zusammen. Es wird augenfällig, dass fragwürdige Konzepte der Aufklärung (z.B. Dualismen wie Natur vs. Mensch, Körper vs. Geist, Emotion vs. Ratio, etc.) vor dem Hintergrund grundlegender Verzerrungen unserer Wahrnehmung und unseres Denkens kritisch zu hinterfragen sind. Lösungswege lassen sich bestimmt nicht in Form einfacher Rezepte finden. Sie müssen der Interdependez und Komplexität natürlicher, wie auch der sich in und aus ihnen entwicklenden menschlichen Systeme gerecht werden. In manchen Bereichen erscheint es zudem ratsam vorerst einmal die richtigen Fragen zu formulieren um sich einen belastbaren Überblick zu Phaenomenen des Lebendingen zu schaffen.   

 

Wahrscheinlich hätte uns mancher Gedanke von Denkern wie Goethe und von Humboldt schon viel früher für die Grenzen reduktionistischen Denkens sensibilisieren müssen. Auf einer aufgeräumten Basis kann eine zweite Aufklärung unter Integration indigenen und traditionellen Wissens erarbeitet werden. Nachhaltige Entwicklungen rücken In meinen Augen erst dann in den Bereich des real Möglichen. Wer, wenn nicht wir Profiteure der ersten Aufklärung, hat die moralische Pflicht (und Ressourcen) den Initialfunken für eine Aufklärung / Enlightenment 2.0 für alle zu versuchen.

Es gibt durchaus Grund zu kritischer Hoffnung... 

 

  • Wiegandt, K.(2022): 3 Grad mehr - Ein Blick in die drohende Heißzeit und wie uns die Natur helfen kann sie zu verhindern. Oekom Verlag, München. 
  • von Weizsäcker, E.u. & A. Wijkman (2016): Wir sind dran - was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Random House, Gütersloh.
  • Vester. F. (1993): Unsere Welt - ein vernetztes System. dtv, München.
  • Vester, F. (2002): Die Kunst vernetzt zu denken. Ideen und Werkzeuge für einen neuen Umgang mit Komplexität. dtv, München. 
  • Krakauer, D.C. (2019): Worlds Hidden in Plain Sight - The Evolving Idea  of Complexity at the Santa Fe Institute. SFI Press, Santa Fe. 

 

  • Urbaniok, F. (2020): Darwin schlägt Kant - Über die Schwächen der menschlichen Vernunft und ihre fatalen Folgen. Orell Füssli, Zürich.  
  • Beck, H. (2023): 12 Gesetze der Dummheit - Denkfehler, die vernünftige Entscheidungen in der Politik und bei uns allen verhindern. Ullstein Verlag, Berlin.  
  • Marshall, G. (2014): Don´t Even Think About It - Why Our Brains Are Wired to Ignore Climate Change. Bloomsbury, London, Oxford, New York.
  • Metzen, D. & S. Ocklenburg (2023): Die Psychologie und Neurowissenschaften der Klimakrise - Wie unser Gehirn auf Klimaveränderungen reagiert. Springer Essentials, Berlin.

 

  • Fromm, E. (1979): Haben oder Sein - Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. dtv, München. 
  • Reckwitz, A. (2018): Die Gesellschaft der Singularitäten. Suhrkamp, Berlin. 
  • Reckwitz, Aa. & H. Rosa (2021): Spätmoderne in der Krise - Was leistet Gesellschaftstheorie? Suhrkamp, Berlin. 
  • Pörksen, B. (2018): Die grosse Gereiztheit - Wege aus der kollektiven Erregung. Hanser Verlag, Müchen. 
  • Koppetsch, C. (2019): Die Gesellschaft des Zorns - Rechtspopulismus im globalen Zeitalter. transcript Texte, Bielefeld.
  • Reckwitz, A. (2019): Das Ende der Illusionen - Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne. Edition Suhrkamp, Berlin. 
  • Fuchs. T., Iwer, L. & S. Micali (2021): Das überforderte Subjekt - Zeitdiagnosen einer beschleunigten Gesellschaft. Suhrkamp Verlag, Berlin.   
  • Welzer, H. (2021): Nachruf auf mich selbst - Aufhören ist als Kulturtechnik stark unterbewertet. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main.
  • Pörksen, B. & F. Schulz von Thun (2020): Die Kunst des Miteinanderredens - Über den Dialog in Gesellschaft und Politik. Hanser Verlag, München. 
  • Künkel, P. (2016): The Art of Leading Collectively - Co-Creating a Sustainable, Socially Just Future. Chelsea Green Publishing, Vermont.

 

  • Meyer-Abich, K.M. (1992): Aufstand für die Natur - Von der Umwelt zur Mitwelt. Hanser Verlag, München, Wien. 
  • Lesch, H. & K. Kamphausen (2022): Über dem Orinoco scheint der Mond - Warum wir die Natur des Menschen neu begreifen müssen, um die Welt von morgen zu gestalten. Penguin, München.
  • Metzinger, T. (2023): bewusstseinskultur - Spiritualität, intellektuelle Redlichkeit  und planetare Krise. Berlin Verlage, Berlin.
  • Gabriel, Markus (2022): Der Mensch als Tier - Warum wir trotzdem nicht in die Natur passen. Ullstein Verlag, Berlin.  
  • Pelluchon, C. (2022): Die Durchquerung des Unmöglichen - Hoffnung in Zeiten der Klimakatastrophe. C.H. Beck, Nördlingen. 
  • Pelluchon, C. (2023): Verbessern wir die Welt - Die Sorge für Mensch, Tier und Natur. WBG Theiss, Darmstadt. 
  • Blom, P. (2022): Die Unterwerfung - Anfang und Ende der menschlichen Herrschafft über die Natur. Hanser Verlag, München. 
  • Blom, P. (2023): Aufklärung in Zeiten der Verdunklung. Brandstätter Verlag, Wien, München. 
  • Hampe, M. (2023): Abschied von großen Worten. Über die Fortsetzbarkeit der Aufklärung. Mitteldeutscher Verlag, Halle-Wittenberg. 

 

  • Wulf, A. (2015): Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. C. Bertelsmann Verlag, München.
  • Goethe, J. W. (1986): Faust - Der Tragödie erster Teil. Reclam Verlag, Stuttgart.